Praxis der Baumbeurteilung

Einheit von Baumkontrolle und Gehölzwertermittlung
- Teil 1: Zerstörung und Wertverlust durch Kappung
von Marko Wäldchen und Helge Breloer

In dieser zwölfteiligen Serie werden einige der häufigsten Baumschäden und Baumprobleme vorgestellt und sowohl aus biologischer und biomechanischer Sicht wie auch unter Kosten- und Schadensersatzaspekten diskutiert. Es geht um einen verantwortungsvollen und fachgerechten Umgang mit den Bäumen in der Praxis. Der erste Teil befaßt sich mit dem Kappen von Bäumen, das nichts zu tun hat mit fachgerechtem Rückschnitt, mit Kopfbaumschnitt oder Verjüngungsschnitt.

Auswege

(1) Gewissenhafte Planung, im Sinne des Standortes, des Baumumfeldes und des Baumes selbst.
(2) Baumpflegerisches Fachwissen klar und entschieden vertreten, ohne predigend und/oder überheblich zu sein.
(3) Erklären, warum ein Baum nicht gefährlich ist, nur weil er groß, schief etc. ist (Biomechanik, Axiom konstanter Spannung, Selbst-Optimierung), woran man Verkehrsunsicherheit erkennt und die verschiedenen Möglichkeiten aufzeigen, wie man einen unsicheren Baum wieder sicher machen kann.
(4) Sich nicht nötigen lassen Kappungen auszuführen.
(5) Überdenken, ob Schnittmaßnahmen tatsächlich erforderlich sind.
(6) Sofern Handlung erforderlich ist, - reicht es nicht aus, einen Sicherungsverbund einzubauen?
(7) Sofern ein Rückschnitt für zwingend erforderlich gehalten wird, ist auf fachgerechte Planung und Realisierung zu achten.

Auch bei fachgerechter Schnittkonzipierung und Schnittausführung (siehe hierzu die Veröffentlichungen von A. L. Shigo und A. Benatzky) werden Verletzungen erzeugt, zahlreiche Gefäße geöffnet. Dabei werden jedoch im Unterschied zur Kappung Regeln eingehalten, die sich von biologischen und biomechanischen Kenntnissen ableiten. So wird beispielsweise auf geeigneten Zugast eingekürzt, was bedeutet, dass dieser einen Ø von einem Drittel des ihn tragenden Holzkörpers haben sollte. Die Angabe dieses Durchmesserverhältnisses resultiert aus baumpflegerischem Erfahrungswissen. Schwächere Zugäste sind nicht in der Lage ausreichend Assimilate an den tragenden Holzkörper abzugeben und ihn umfassend mit Energie zu versorgen, was zu Abwehrschwäche und Holzabbau führt. Zudem erzeugt ein schwächerer Zugast zu geringe biomechanische Wachstumsimpulse (siehe hierzu Veröffentlichungen von F. W. Telewski und C. Mattheck), bezogen auf das Kambium am Rand der Schnittfläche und der nächsten Dezimeter des den Zugast tragenden Holzkörpers. Durch diesen Mangel an mechanischen Reizen kommt es lokal zu nachlassender oder ausbleibender Kambialaktivität, was wiederum zu biologischen Problemen führt, denn minder aktives Gewebe wird von holzzerstörenden Organismen erfolgreich besiedelt.


Grundsatz:

Das Kappen von Bäumen muss aus biomechanischen, biologischen, ethischen, ästhetischen und Gründen der Vermögenspflege abgelehnt werden. Jede realisierte Kappung birgt zudem die Gefahr in sich, als Nachahmungsbeispiel für weitere Kappungen zu dienen.

Kappung bedeutet die Einkürzung von Kronen oder Kronenteilen. Die Schnitte werden dabei internodial, also zwischen den Verzweigungsknoten (Nodien) geführt oder es kommt sogar zur totalen Entastung oder Kappung des astlosen Stammes. In jedem seriösen Fachbuch wird beschrieben und dargestellt, wieso Kappung nichts mit Baumpflege zu tun haben kann. Dennoch - nach wie vor werden Bäume rücksichtslos zusammengeschnitten und dies keineswegs nur von Laien. Zur Rechtfertigung werden besondere Umstände beschrieben, wird erklärt, dass der Auftraggeber die Verantwortung trage, dass der Rückschnitt die Vorbereitung für eine Baumbeseitigung sei, dass der Baum ja wieder austreibe. Es fragt sich nur, welchen Sinn denn der Rückschnitt einer intakten Krone machen soll, wenn man auf den nachfolgenden Neuaustrieb setzt. Teilweise wird die Kappung sogar als Erhaltungsstrategie für Alleen und Baumveteranen angepriesen und dabei unkorrekterweise auf Baumreduktionen in der Natur verwiesen. Dabei gibt es bei frei entwickelten Bäumen in der Landschaft keine umfassenden internodialen Kronenreduktionen. In Waldbeständen, wo die Bäume hoch ansetzende Kronen haben, kann es im Zuge von Sturmkalamitäten zum Stammbruch, also totaler Kappung kommen. Die meisten dieser gekappten Bestandesbäume sterben spätestens innerhalb von ein paar Jahren ab. Wenn Naturereignisse totale Kappungen herbeifuhren, sind diese allerdings nicht weniger häßlich und schädigend als durch den Mensch geschaffene.

Vor der Kappung war dies eine intakte und mächtige Esche
Vor der Kappung war dies eine intakte und mächtige Esche


Kappung und biologische Folgen

Ober- und unterirdische Teile des Baumes entwickeln sich in sensibler Abstimmung miteinander. Sie stehen in Wechselwirkung zueinander, beeinflussen und unterstützen sich gegenseitig - da ist nichts überzählig. Der fatalste Aspekt der Kappung ist, dass die bis zum Zeitpunkt des Rückschnitts für die Assimilatebildung effektivsten Kronenteile, wie Fein-, Schwach- und Grobäste komplett entfernt werden, ad hoc.
Hierdurch wird das Abwehrvermögen geschwächt oder sogar zerstört. Zuerst jedoch gerät der gekappte Baum in eine ungeheure lebensbedrohliche Versorgungsnot, wodurch Stressreaktionen in Gang gesetzt werden. Sofern biologisches Alter, Grundvitalität und Baumart die Möglichkeit bieten, setzt der Baum Cytokinine frei, die dazu in der Lage sind, ruhende Knospen zu aktivieren, die dann stressgesteuert und ungeordnet als Reïterationen austreiben. Mit den zahlreichen Reïterationen versucht der Baum, so rasch wie möglich einen neuen Assimilationsapparat aufzubauen, um dem akuten und devitalisierenden Energiemangel zu begegnen.

Reïteration an gekappter Linde
Diesen Neuaustrieb als Beleg für Schnittverträglichkeit darzustellen kommt baumpflegerischem Zynismus gleich.

Nach jedem Sägeschnitt werden zahlreiche Gefäße geöffnet und es setzt eine Besiedlung durch Holz abbauende Organismen ein. Bei internodial gesetzten Schnitten jedoch, also dort, wo keine Astschutzzone oder Zugast vorhanden ist, entwickelt sich stets eine umfassende zentrale
'Zigarrenbäume': Linden mit Stressaustrieben nach der Kappung
Fäule, weil das Abschottungsvermögen in den Zonen zwischen Verzweigungsknoten schlecht ist und weil es in Ermangelung eines Zugastes zu einer Unterversorgung mit Assimilaten kommt. Nicht selten sterben komplette Kambialzonen ab, Rindenablösungen zeigen sich und der gekappte Abschnitt wird gänzlich destrukturiert, zumindest bis zum nächsten Nodium (Verzweigungsknoten).Der Assimilatemangel zieht nicht nur umfassende Ausfaulungen und Morschungen in den Kappungsbereichen nach sich, er wirkt sich auch auf den verholzten Wurzelkörper aus. Auch dort kommt es zu Fäuleprozessen. Die Kappung führt immer zu gravierenden biologischen Schäden, auch bei Jungbäumen. Schadenverlauf und Schadenumfang werden nochmals verstärkt, wenn der Baum schon vorher Probleme hatte, sich bereits in einem höheren biologischen Alter befindet, zu den von Natur aus schlechten Kompartimentierern gehört und dies umso mehr, je größer die Schnittverletzungen sind. In Fachkreisen (Baumpfleger und Sachverständige) ist es unstreitig, dass durch Kappung die an sich mögliche Lebenszeit des Baumes drastisch verkürzt wird.

Kappung und biomechanische Folgen

Die Kambialaktivität (im Ergebnis: Dickenzuwächse, Wachstumsspannungen, Holzeigenschaften, Form des Querschnittes) richtet sich nach den lokal empfundenen Lasten. Dass dies so ist. wurde von Telewski bewiesen und von Mattheck beschrieben. Durch die Kappung von Bäumen oder Baumteilen wird lokal der bis dahin vorhandene Lasteintrag gegen Null reduziert. Es sind anschließend nur noch minimale Kraftflüsse vorhanden. Die für verschiedenartigste mechanische Belastungen trainierten Gewebe werden schlagartig entlastet, was hier von negativer Bedeutung ist. Durch das Ausbleiben der gewohnten Kraftflüsse reduzieren sich die Wachstumsspannungen. Erste Risse entstehen sofort. Die gesamte Aktivität der betroffenen Gewebepartien läßt nach und begünstigt biologische Anfälligkeit (Krankheit). Das Ausbleiben der vor der Kappung existierenden Druck-, Biege- und Torsionsbelastungen ist die Hauptursache für Kambialnekrosen und umfassenden Holzabbau in den und unterhalb der Kappungszonen.
Die nach einer Kappung entstehenden oberen Reïterationen erweisen sich häufig als bruchanfällig, weil die strukturelle Verbindung zwischen diesen Neutrieben und dem tragenden Holzkörper (Stamm/Stämmling/Ast) unzureichend oder nicht existent ist. Ohne Stamm-/ Astkragen bleiben die sichernden Wachstumsspannungen in Umfangsrichtung aus, die Reïteration stabilisiert sich lediglich mittels Anpressdruck. Wird die Zugbelastung (erzeugt durch zunehmendes Eigengewicht, Längenzuwächse und zunehmende Windlast) in entgegengesetzter Richtung zu groß, kommt es zum Ausbruch. Bruch begünstigend wirkt sich zudem aus, dass das Fundament der Reïterationen massiv angegriffen wird, und zwar durch Holzabbau. Dies ist einer der Fälle, in denen sich gute Vitalität negativ auf die Verkehrssicherheit auswirken kann. Später kommt es zu Beeinträchtigungen durch die am Wurzelkörper verursachten Schäden.

Kappung und gestalterische Folgen

Die Kappung von Bäumen führt immer unmittelbar und bleibend zu großen gestalterischen Schäden, gleichgültig ob es sich um einen Jung- oder Altbaum handelt. Da es bezüglich der Baumgestalt eine durchaus allgemein empfundene Ästhetik gibt, ist es unzulässig, in diesem Zusammenhang von Geschmacksfrage zu sprechen.
Gekappte Bäume müssen stresshaft neue Triebe ausbilden, um zumindest teilweise biologisch zu kompensieren. Dabei folgen sie nicht mehr ihrem ursprünglichen Verzweigungsschema. Stattdessen entsteht ein Reïterationswust, aber niemals wieder ein arttypischer Habitus. Reïterationskronen verschiedener Baumarten ähneln sich aus der Distanz sehr, da die für die jeweilige Baumart typische Architektur und das typische Verzweigungsmuster fehlen. Dies hängt damit zusammen, dass die Reïterationen zeitgleich entstehen und miteinander konkurrieren müssen, ähnlich wie Bäume eines Forstbestandes. Untere Verzweigungen entstehen nur bei den Randreïterationen, die inneren streben im Konkurrenzkampf um Licht nach oben.

Kappung und Baumethik

Juristisch ist der Baum eine Sache, tatsächlich aber ein Lebewesen. Bäume haben Äußerungsformen, Bedürfnisse und Würde. Jeder, der an und mit Bäumen arbeitet, trägt deswegen große Verantwortung und hat ein hohes Maß an Verpflichtung. Alle Handlungen, die wir an Bäumen ausführen, müssen sich an der biologischen Vertretbarkeit und der Baumwürde messen. Die Kappung orientiert sich jedoch in keiner Weise am Wohl und/oder der Würde des Baumes. Sie macht sich das Wissen um biologische Abläufe in negativer Art zunutze. Die Kappung ist ein Beispiel für Vandalismus, der in anderem Zusammenhang immer wieder angeprangert wird.

Kappung und ökonomische Folgen

Durch das Kappen werden vermeidbare Kosten und vorzeitige Ersatzinvestitionen verursacht, da gekappte Bäume häufiger kontrolliert und geschnitten werden müssen. Eventuell wird der Einbau von Kronensicherungen erforderlich, nicht selten wird die Kappung aus Sicherheitsgründen mehrfach wiederholt. Gekappte Bäume müssen vorzeitig entfernt und ersetzt werden. Der materielle Schaden würde offenkundig, wenn es vor jeder Kappung die Auflage gäbe, die entstehenden Zusatzkosten zu kalkulieren und den Wert gekappter Bäume vor und nach der Kappung mit der Methode Koch zu berechnen.
In vielen Fällen führt die Kappung von Bäumen zu einem Totalschaden oder zumindest zu einem wirtschaftlichen Totalschaden, wie das nachfolgende Berechnungsbeispiel zeigt.

Fazit

Kappungen sind als Sachbeschädigung zu bezeichnen und keinesfalls als Bestandteil fachgerechter Baumpflege. Fachgerechte Baumpflege orientiert sich an natürlichen Abläufen und Zwangspunkten. Hieraus folgt, dass die Kappung auch nicht glaubhaft als Maßnahme im Sinne einer Erhaltungsstrategie für Alt- und Uraltbäume beschrieben werden kann. Eine Akutsituation herbeizuführen und die ausgelösten Stressreaktionen als baumpflegerischen Erfolg zu verbuchen, ist zumindest ignorant. Das natürliche Schrumpfen von Alt- und Uraltbäumen in der freien Landschaft, das manche Baumarten zeigen, hat mit Kappung nichts zu tun. Die natürliche Selbstreduktion (Zurückziehen) dieser Bäume vollzieht sich langsam über Jahrzehnte und unter Erhaltung eines unteren Altholzgerüstes, eines Kronenaufbaus, nicht jedoch eines Baumrudiments, das einer überdimensionalen Zigarre ähnelt. Gerade die Erhaltung der Grundarchitektur (Altstamm plus akzeptables Gerüst aus Alt-Starkästen) macht die allgemein empfundene Ästhetik dieser Baumveteran(inn)en aus.
Eine Kappung kann unter Umständen gerechtfertigt sein, wenn es darum geht, einen hoffnungslos abgängigen Baum als Totholzbiotop (Habitatspender) zu erhalten und dabei der Verkehrssicherungspflicht zu entsprechen. Jedoch selbst in einem solchen Fall ist es häufig möglich. ein ansprechendes Starkholzgerüst zu belassen.
Berechnungsbeispiel: Die Eichen nach der Kappung im Winter und im darauffolgenden Sommer  Berechnungsbeispiel: Die Eichen nach der Kappung im Winter und im darauffolgenden Sommer
Berechnungsbeispiel: Die Eichen nach der Kappung im Winter und im darauffolgenden Sommer


Berechnungsbeispiel

In vielen Städten und an vielen Straßen sind in letzter Zeit immer häufiger Baumkappungen mit nachfolgendem stressbedingtem Austrieb zu beobachten. ("Die Bäume werden doch wieder grün!") Die zwei Traubeneichen auf den Fotos wurden im letzten Winter gekappt. Im Berechnungsbeispiel wird der durch die Kappung entstandene Schaden an der stärkeren Eiche (als Straßenbaum betrachtet) nach der Methode Koch ermittelt.

In dem Berechnungsbeispiel wird der Herstellungswert der Eiche mit einer für diesen Standort angemessenen Pflanzgröße, einem 4 x v. Hochstamm von 20/25 cm Stammumfang, und einer bis zur Funktionserfüllung erforderlichen Herstellungszeit von 20 Jahren berechnet. Die Traubeneiche ist eine teure Eiche. Ebenso sind die Pflanzkosten an der vielbefahrenen Straße, auch wenn hier von zwei Bäumen mit entsprechender Einsparung an Rüstkosten auszugehen ist, relativ hoch. Das gilt auch für eventuelle Fällkosten. Vor der Kappung befanden sich die Eichen keineswegs in einem Idealzustand, der die Annahme rechtfertigen würde, den vollen Herstellungswert in Höhe von 13.260 Mark als Baumwert zu Grunde zu legen. Dies trifft nur sehr selten zu.
Vielmehr waren zum Zeitpunkt der Kappung bereits Mängel vorhanden, die hier unter Berücksichtigung der Straßennähe, des Alters und der Mängel der Eichen im Kronenaufbau und wegen alter Starkastabschnitte einen Wertminderungsabzug von 35 Prozent rechtfertigen. Die stärkere Eiche weist dabei die größere Vitalität auf. Die schwächere Eiche müßte sogar mit einem Wertminderungsabzug von 40 Prozent vor der Kappung berechnet werden, weil ihr Kronenaufbau (Zugzwiesel) und ihre Vitalität weniger gut sind als bei der hier berechneten Eiche. Die vorgestellte stärkere Eiche hat einen Zeitwert von 8.619 Mark, der in der Regel auf dem Fachgutachten-Vordruck A oder mit Hilfe des dazugehörigen EDV-Programms des SVK-Verlages Erndtebrück berechnet wird.
Der durch die Kappung entstandene Schaden ist, da der zurückgeschnittene Baum zunächst kein Sicherheitsrisiko darstellt und mit weiteren Rückschnitten vielleicht noch 15 Jahre als Baumtorso hier stehen kann, ein Teilschaden auf Dauer, der in der Regel auf dem Fachgutachten E oder mit dem entsprechenden EDV-Programm ermittelt wird. Die Berechnung auf Seite 39 listet die Kosten auf, die durch die Sofortmaßnahmen und die Nachsorge entstehen, auch hier unter Berücksichtigung der Tatsache, dass zwei Bäume zu behandeln sind. Es handelt sich dabei um die durch die Kappung entstehenden zusätzlichen Kosten.
Die Kostenaufstellung zeigt, dass der Funktionsverlust und die Kosten der vorzeitigen Ersatzinvestition den größten Anteil ausmachen. Bei der Bemessung des Funktionsverlustes ist zu beachten, dass dieser keinesfalls mit der Wertminderungstabelle 21 der Aktualisierten Gehölzwerttabellen von Koch festgelegt werden kann. Dort wie hier steigt der Wertverlust überproportional zu dem tatsächlich eingetretenen Kronenverlust (und gleichzeitigen Verlust von anderen Baumteilen), aber die Tabelle 21 weist den gesamten entstandenen Schaden in Prozentzahlen aus, während bei dieser Berechnung der Funktionsverlust nur einen Teil des gesamten Schadens ausmacht. Der Funktionsverlust ist immer an der - hier durch die Kappung - eingetretenen Veränderung des Gesamterscheinungsbildes des Baumes zu messen. Hier ist fast die Hälfte des Baumes, die sich optisch im Kronenbild manifestiert, durch die Kappung des Baumes betroffen, so dass ein Funktionsverlust von mindestens 45 Prozent gegeben ist.

Berechnungsbeispiel
Die Kosten der Nachsorge sind als zukünftige Kosten zu berechnen und auch als solche zu ersetzen, wie in der Rechtsprechung analog zu Schadensersatzansprüchen für beschädigte Kraftfahrzeuge anerkannt ist. Diese Rechtsprechung findet sich in den Fachgutachten-Vordrucken mehrfach zitiert. Gleiches gilt für das zukünftige Risiko, das hier bei ständiger Weiterbehandlung des Baumes mit Blick auf die Sicherheit nicht so hoch eingestuft wird. Eine Gefahr für die Verkehrssicherheit besteht nicht, wenn der durch ständige Rückschnitte immer kleiner werdende Baumtorso langsam in seinen Tod hineinwächst. Die Kosten der vorzeitigen Ersatzinvestition sind bei der heutigen angespannten Finanzlage der Kommunen ein sehr ernst zu nehmender Kostenfaktor. Gelder für Neuanpflanzungen, die regulär erst in 50 Jahren anfallen, plötzlich aber 35 Jahre eher bereitgestellt werden müssen, verursachen hohe Zinskosten. Der Nachweis wird in der vorliegenden Schadensberechnung (analog zum Fachgutachten-Vordruck E) geführt. Für den Wertermittler sei noch ein Hinweis an dieser Stelle erlaubt. Die Neupflanzung liegt in der Zukunft. Die Kosten einer dreijährigen Anwachszeit dürfen deshalb nicht - wie bisher in der Regel geschehen - mit der Aufzinsung berechnet werden. Die Kosten der Neupflanzung sind abzuzinsen. Das hat nichts mit der Wertermittlung nach der Methode Koch und der dort fest verankerten Aufzinsung aus dem Sachwertverfahren zu tun. Hier geht es um die Berechnung von teilweise in der Zukunft liegenden Schäden, die aber mit einem heute schon zu berechnenden und damit feststehenden Betrag zu ersetzen sind.
Das Ergebnis des durch die Kappung der Eiche entstandenen Schadens erreicht hier fast den Wert des Baumes, wie die Gegenüberstellung am Schluß zeigt. Das ist bei Kappungen nichts Außergewöhnliches. Kappungsschäden erweisen sich vielfach als wirtschaftlicher Totalschaden. Kappungen sind deshalb nicht nur aus den genannten fachlichen und ethischen Gründen, sondern auch aus wirtschaftlichen Gründen in keiner Weise vertretbar. Werden Stadt- und Straßenbäume gekappt, handelt es sich zudem um eine Verschwendung von Steuergeldern.

Literatur
Breloer, H., Zum Kappen van Bäumen in Neue Landschaft -NL - 1/95,20; Landschaftsarchitektur - LA - 6/98, 33; LA8/98,11

Dams, Carmen, Amt für Grünanlagen. Saarbrücken, 1998, "Der grundlegende Fehler wurde viel früher gemacht", LA8/98,10

Fazio, J.R. & Krumpe. EZG. 4/99, 138.

Stobbe, H., Kleist, 0. und Dujesiefken, D., "Die Hamburger Schnittmethode", LA 2/99,31

Dujesiefken, D., "Differenzierung von Vitalität und Verkehrssicherheit bei Straßen- und Parkbäumen.",1995 MESSE magazin areal, 29

Kowol, T., "Kappung von Bäumen - eine sinnvolle Maßnahme in Zeiten knapper Hauhaltsmittel?"., in: Jahrbuch der Baumpflege 1998, 201

Shigo. A., Die Neue Baumbiologie, 5 488-469; Die Neue Baumbiologie. Fachbegriffe von A bis Z, 5 76, Baumschnitt, 5.98.113 und 123, Moderne Baumpflege, S. 102-105. 110/111,117,119/120, 123.308307. Thalacker Verlag. Braunschweig

Bernatzky. A., 1994, Baumkunde und Baumpflege. 5. 92-101. Thalacker Verlag. Braunschweig

Höster, H. R., 1993, Baumpflege und Baumschutz. S 164- 168, Ulmer Verlag, Stuttgart

Telewski. F. W., 1995,"Windinduced physiological and developmental responses in trees", in "Wind and trees", S.237;. Hrsg.: M.P. Coutts & J. Grace, Cambridge Universitv Press

Mattheck C., 1997, Design in der Natur, Seiten 115- 122. Rombach Verlag. Freiburg im Breisgau

Roloff, A., 1993, Kronenentwicklung und Vitalitätsbeurteilung ausgewählter Baumarten der gemäßigten Breiten, insbesondere die Angaben zur Reïterationsfreudigkeit bzw. - bereitschaft der jeweiligen Baumart. J. D. Sauerländer´s Verlag, Frankfurt am Main

Breloer H., 1996, Verkehrssicherungspflicht bei Bäumen, 8. Aufl., Thalacker Verlag. Braunschweig

Koch, W., Aktualisierte Gehölzwerttabellen. 2. und 3. Aufl.(Auszug). Verlag Versicherungswirtschaft Karlsruhe

Breloer. H., Was ist mein Baum wert? , 3. Aufl.. Thalacker Verlag Braunschweig



Zurück-Button  PopupNavigator Java Applet - JDK 1.1.3 needed