Praxis der Baumbeurteilung
Einheit von Baumkontrolle und Gehölzwertermittlung
- Teil 6: Mangelhafte Baumpflege - Gefahren und Wertverlust
von Marko Wäldchen und Helge Breloer
In dieser zwölfteiligen Serie werden einige der häufigsten Baumschäden und Baumprobleme vorgestellt und sowohl aus biologischer und biomechanischer Sicht wie auch unter Kosten- und Schadensersatzaspekten diskutiert Der sechste Teil befasst sich mit der oft falsch verstandenen Baumpflege. Es geht um einen verantwortungsvollen und fachgerechten Umgang mit den Bäumen in der Praxis und die richtige Beurteilung von Schäden.
Was bedeutet Baumpflege?
Baumpflege bedeutet immer Pflege von Bäumen im wirklichen Sinn dieses Wortes. Pflege darf nicht absehbar ursächlich sein für eine Zustandsverschlechterung des zu versorgenden Objektes/Subjektes. Andernfalls handelt es sich nicht um Pflege, sondern um (vorsätzliche) Beschädigung/Verletzung.
Gleichgültig welche anerkannten fachlichen Texte man liest, ob das umfassende Standardwerk von Alex L. Shigo [1], Beiträge in Fachbüchern [2], Fachzeitschriften oder die ZTV-Baumpflege, überall wird deutlich gemacht, dass Bäume biologische Systeme, also Lebewesen sind, deren Organismus aus oberirdischen und unterirdischen Körperteilen besteht. Es wird einhellig beschrieben, dass sich jeder Eingriff auf den gesamten Organismus auswirkt und dass unumgängliche Maßnahmen (beispielsweise Lichtraumprofil oder Freischneiden von Fassaden) den tatsächlich erforderlichen Rahmen nicht überschreiten dürfen und unbedingt fachgerecht auszuführen sind, um das Ausmaß der Verletzung so gering wie möglich zu halten. Entnahmen von Grob- oder gar Starkästen haben im Regelfall zu unterbleiben, da sie zu Mängeln in der Energieversorgung führen, sich gestalterisch negativ auswirken und die Gefahr besteht, dass von den Schnittverletzungen Holzabbau ausgeht, der das Stamminnere erfasst und sich zu umfassenden, zentralen Fäulen entwickeln kann.
Pflege von Straßenbäumen
Baumpflege ist in erster Linie den Bäumen verpflichtet. Das ergibt sich schon alleine aus dem sprachlichen Verständnis.
|
|
|
Eine zirka 65 Jahre alte Lindenallee in einer hessischen Stadt. Solche Baumbestände sind gestalterisch und ökologisch von nicht zu überschätzendender Bedeutung. Oberstes baumpflegerisches Gebot muss es sein, so wenig wie möglich in die Biologie der Bäume einzugreifen, eigentlich eine Selbstverständlichkeit.
Bild rechts: Dieselbe Allee. Bereits der größte Teil des Bestandes wurde im März 2000 - bei gleichzeitiger Kroneneinkürzung - derart aufgeastet. Solche enormen Eingriffe in den Assimilationskörper führen selbst bei einem Jungbaum zu schwerwiegenden biologischen und gestalterischen Schäden. Bei dieser Allee ist er nicht mehr kompensierbar. Darüber hinaus wurde ein immenser biologischer Schaden verursacht, der die mögliche Lebenszeit der Linden verkürzen wird. Die ersten deutlichen Reaktionen der mangelleidenden Wurzelkörper werden eine Vielzahl von Reiterationen (hier Stresstriebe am Stamm und in der Restkrone) sein. Dazu werden zahlreiche Einfaulungen entstehen.
|
Dies gilt selbstverständlich auch für unsere innerstädtischen Straßenbäume, die von Anbeginn sehr widrige Existenzbedingungen (absolut unnatürliche, stressende Standraumsituationen) haben und es nur selten schaffen, ein starkes Abwehrsystem aufzubauen, weshalb sie vorzeitig altern und wesentlich früher sterben als Bäume auf natürlichen oder naturnahen
Standorten.
Die Baumkrone trägt den Assimilationskörper (Masse der Blätter), also den Teil des Baumes, der die Energie liefert. Jeder Eingriff (Astentnahme) in diesen Körperteil muss bei einem dauergestressten innerstädtischen Straßenbaum streng problematisiert werden. Gravierende Schäden werden durch Kappung [3] oder andere zu umfangreiche Schnittmaßnahmen verursacht, so dass bei diesen Maßnahmen nicht von Baumpflege gesprochen werden kann.
Das fahrbahnseitige Lichtraumprofil (maximal 4,5 Meter Höhe - Autobahnen, Bundesstraßen, stark frequentierte Straßen) beispielsweise muss geschaffen werden, allerdings nur im zwingend erforderlichen Maße. Bei untergeordneten Straßen muss vom Verkehrsteilnehmer erwartet werden, dass er sich auf Hindernisse einstellt, notfalls anhält, den Gegenverkehr passieren lässt, um dann das Hindernis zu umfahren. Ein Lichtraumprofil von 4,5 Metern ist hier nicht zwingend erforderlich.
Pflege beginnt bei der Pflanzung
Fachgerechte Pflege von Straßenbäumen beginnt bei der Auswahl der zu pflanzenden Bäume, der richtigen Pflanzung und setzt sich fort mit dem an den standörtlichen Erfordernissen ausgerichteten Erziehungs- und Aufbauschnitt. Bei korrekter Umsetzung können dabei keine größeren Schnittverletzungen erzeugt werden oder zu umfangreiche Schnitteinsätze entstehen, weil die notwendigerweise zu entfernenden Äste zu einem Zeitpunkt beseitigt werden, da sie noch geringe Durchmesser aufweisen und bei einem Schnitteinsatz nicht zu viele Äste entnommen werden. Nach etwa 20 Jahren ist das endgültige Lichtraumprofil geschaffen, unter größtmöglicher Schonung des Baumes. Derart geschonte Bäume verursachen im Vergleich geringe baumpflegerische Folgekosten.
Wertverlust durch mangelhafte Pflege
Werden die Grundsätze fachgerechter Baumpflege nicht beachtet, so hat dies weitgehende negative Folgen nicht nur für das Wachstum, die Vitalität und die Sicherheit des Baumes, sondern auch für seinen Wert. Die nach der Methode Koch, dem Sachwertverfahren für Bäume berechneten Herstellungskosten, wie man sie beispielsweise in den Aktualisierten Gehölzwerttabellen [4] findet, gelten nur für optimal entwickelte Bäume an einem geeigneten Standort. Erfüllt der zu beurteilende Baum diese Kriterien nicht, so sind entsprechende Wertminderungsabzüge vom Herstellungswert zu machen.
Die meisten Bäume, vor allem die Straßenbäume im innerstädtischen Bereich, erreichen den Herstellungswert oder den Tabellenwert nicht annähernd. Zu viele negative Einflüsse wirken auf die Bäume. Bei vielen fängt dies leider bereits bei der Baumschulqualität an. Dann folgen die Standraumverhältnisse und zuletzt die mangelhafte Pflege der Bäume, die nicht nur die Extremfälle der heute vielerorts üblichen Kappung betrifft. Schon der falsche Jungbaumschnitt macht den Baum zum frühzeitigen Invaliden.
"Aufbau- und Erziehungsschnitt" an einem jungen Straßenbaum.
Mit notwendigen, lenkenden Maßnahmen muss wesentlich früher begonnen werden. Pro Schnittdurchgang dürfen lediglich ein paar Äste entnommen werden und keinenfalls komplette Astkränze auf einmal.
|
Verkürzte Lebenserwartung durch mangelhafte Pflege
Die verkürzte Lebenserwartung durch mangelhafte Pflege führt entgegen einer weit verbreiteten Meinung nicht zu einer Alterswertminderung in der Gehölzwertermittlung. Sie ist vielmehr unter den übrigen Mängeln und Schäden zu berücksichtigen (Ziffer 3.5 des Fachgutachtens Vordruck A).
Das Sachwertverfahren, § 21 ff. WertV, schreibt vor, zunächst die Alterswertminderung vom Herstellungswert in Abzug zu bringen und dann erst von dem so bereinigten Wert die übrigen Wertminderungen abzuziehen. Die Alterswertminderung beurteilt sich dabei stets an der Lebenserwartung "dieser Baumart an diesem Standort" und nicht an der Lebenserwartung "dieses Baumes an diesem Standort".
Das macht einen sehr großen Unterschied. Denn während beispielsweise eine nicht beschädigte 60-jährige Linde an einem günstigen Straßenstandort generell noch weitere 40 Jahre und auch länger stehen kann, wird eine durch Erziehungs- und Pflegefehler geschädigte 60-jährige Linde unter Umständen bereits abgängig sein.
Derartig starke Eingriffe sind nicht begründbar und haben nichts mit Baumpflege zu tun. Die Schaffung des Lichtraumprofils muss sich auf die Seite(n) beschränken, die tatsächlich durch den Baum beeinträchtigt werden. Leider artet die Schaffung des Lichtraumprofils immer wieder in eine Schnittorgie aus.
|
Ist der Wert eines durch mangelhafte Baumpflege geschädigten Baumes zu ermitteln, so ist also eine Alterswertminderung nur nach der gewöhnlichen Lebenserwartung dieser Baumart an diesem Standort zu berechnen. Die in Wirklichkeit stark verkürzte Lebenserwartung des zu beurteilenden Baumes ist bei den übrigen Wertminderungen (Mängel und Schäden) zu erfassen, und zwar zusammen mit eventuellen Qualitäts-, Standraum- und Versorgungsmängeln sowie Anfahrschäden und anderen Verletzungen.
Spätestens hier wird deutlich, wie sehr der Baum immer in seiner Gesamtheit erfasst werden muss, was ein hohes Maß an Fachwissen erfordert, und dass Baumbeurteilung und Gehölzwertermittlung eine untrennbare Einheit bilden.
Bei diesem alten Bergahorn wurde vor zig Jahren ein mächtige Stämmling entfernt, mit den in der Fachliteratur beschriebenen Folgen. Eine sehr große Einfaulung ist entstanden. Es ist nur wenig Wundholz gewachsen, da die notwendigen Kambialreize mangels Lasteintrag fehlen. In den ohnehin stark geschädigten Holzkörper wurden vor zwei Jahren von einer "Baumpflegefirma" in unnötiger und unsinniger Weise zwei Gewindestangen eingebaut und dies auch noch in dilettantischer Ausführung. Der Einbau von Gewindestangen ist nur selten nützlich für Bäume und erfordert sehr große Bohrlöcher, die immer schädigend sind. Wo erkennbar kaum noch Kraftflüsse vorherrschen, erhöhen Gewindestangen die Sicherheit nicht. Die dafür notwendigen Bohrungen fördern jedoch die Fäuleausdehnung.
|
Baumpflege nach dem Beispiel der Natur
Baumpflege, ganz gleich ob sie sich neu, traditionell oder sanft nennt, ob sie sich nach Mondzyklen und/oder Pendeln richtet oder nicht, Baumpflege ist dann fachgerecht, wenn sie von der Natur lernt, wenn sie die Bäume selbst respektiert als betroffene Partner, die das Recht zur Richtungsweisung und Begrenzung haben.
Brutales Schnittvorgehen ist immer falsch und sachbeschädigend, allzu sanfte Herangehensweise kann jedoch auch falsch sein, weil etliche (Korrektur-)Einsätze nötig werden.
Dadurch werden unnötige Kosten produziert und letztlich wird der Baum nicht weniger zurückgeschnitten als bei fachgerechter Planung und Umsetzung. Der von der Imagepflege her "sanfte Kollege" hat zwar vermieden, von einer 40prozentigen Reduktion zu sprechen, kommt aber in einer Art "Salami-Taktik" auch dorthin.
Bäume sind Lebewesen, die über Sinnesorgane (beispielsweise Kambium und Phytochrome) und pflanzliche Intelligenz verfügen. Sie treffen Entscheidungen (beispielsweise Wuchsrichtung, Wuchsintensität, Wuchsverlagerung). Bezogen auf die Bäume, ihr eigenes Wohl, können wir doch nicht ernsthaft glauben schlauer zu sein als sie selbst. Wir müssen von den Bäumen lernen, nicht die Bäume von uns. Erst wenn wir natürliche Prozesse verstanden haben und im Einzelfall einordnen können, sind wir in der Lage zu erkennen, wo wir Fehler gemacht haben und auch zu erkennen, wo unsere baumpflegerische Kunst an biologische Grenzen stößt.
Wir Baumfachleute tun weder der Allgemeinheit noch uns und schon überhaupt nicht den Bäumen einen Gefallen, wenn wir weiterhin Scheu haben diese Tatsache auszusprechen. Wir haben die Pflicht sie immer wieder einzubringen, mit Selbstverständlichkeit - wer denn sonst, wenn nicht wir? Nur so werden wir (hoffentlich) einen anderen Umgang mit Bäumen herbeiführen - bis in die Rechtsprechung hinein.
Die Kronenverjüngung als fachgerechte Schnittmaßnahme
Zum Schluss wird eine Baumpflegemaßnahme angesprochen, die immer wieder falsch verstanden wird: der Kronenverjüngungsschnitt [5], der, wie der Name schon sagt, nur alte Bäume betrifft.
Die Kronenverjüngung ist an Standorten mit erhöhter Verkehrssicherungspflicht nicht nur wichtiger, sondern unverzichtbarer Bestandteil fachgerechter, an natürlichen Abläufen orientierter Baumpflege und der einzige wirksame Weg, um Alt- und Uraltbäume, die beginnende Absterbeerscheinungen zeigen, sicher und vital zu erhalten. Die Maßnahme hat nichts zu tun mit Kopfbaumschnitt oder gar Kappung, auch nicht mit Schnittpraktiken, die aus dem intensiven Erwerbsobstbau bekannt sind. Kappung und Schnittmaßnahmen des intensiven Erwerbsobstbaus orientieren sich nicht an der Biologie des Baumes, im Sinne eines Erhaltes - sie verkürzen seine Lebenszeit.
Die künstliche Kronenverjüngung ist ein Schnittkonzept, das sich über etliche Jahre hinzieht und aus mehreren Intervallen zu bestehen hat, weil es aus baumpflegerischen Gründen nicht zu vertreten ist den gesamten Rückschnitt in einem Arbeitseinsatz auszuführen. Zwischen den einzelnen Schnitteinsätzen sollten Pausen von mindestens fünf Vegetationsperioden liegen, um dem Baum Gelegenheit zu geben zu "verschnaufen" und zu "folgen". Wie stark die Krone letztendlich zu reduzieren ist, muss individuell entschieden und am Baum abgelesen werden.
Viele Bäume verlieren mit zunehmenden Alter die Fähigkeit zur Reïteration, beispielsweise Rotbuchen oder Birken, Sanierungsbemühungen mittels Rückschnitt bleiben hier in aller Regel erfolglos, führen zu weiterer Devitalisierung. Der Baumpfleger/ die Baumpflegerin muss wissen, welche Baumarten in der Natur das Phänomen der Kronenverjüngung zeigen und welche nicht. Die Rosskastanie, die Linde, die Eiche, die Robinie, die Platane, um die es konkret geht, muss dahingehend überprüft werden, ob sie fähig ist zur Umgestaltung. Zeigt der Baum keinerlei eigene Bemühungen, haben Sanierungskonzepte keine dauerhafte Aussicht auf Erfolg. Jeder Fall ist für sich zu überprüfen.
Es gilt zu erkennen, was der Baum selbst aufgeben möchte und wo er andererseits besonders intensiv Kraft und Energie freizusetzen in der Lage ist. Dazu braucht man selbstkritisch gewachsenes Erfahrungswissen und ein geübtes Auge, was voraussetzt, Fehler gemacht und aus ihnen gelernt zu haben, außerdem vielfaches Studium von Bäumen, an denen sich eine natürliche Kronenverjüngung vollzieht (Tipp: Besuch des Urwaldes bei der Sababurg im Reinhardswald, nördlich von Kassel) und lesen, lesen, lesen.
Auch beim Kronenverjüngungsschnitt geht es darum, ebenso wie bei der natürlichen Kronenverjüngung, Transportwege der Saftströme zu verkürzen, Lichtverhältnisse im Kroneninneren dahingehend zu verändern, dass bereits vorhandene Reïterationen aufgewertet und neue ausgelöst werden, in biologisch vertretbaren Einzelschritten, durch fachgerechtes Einkürzen auf geeignete Zugäste.
Der Durchmesser des Zugastes soll mindestens ein Drittel des Durchmessers des ihn tragenden Holzkörpers im Bereich des Einkürzungsschnittes haben.
Der Zugast darf nur geringfügig, formierend geschnitten werden, damit die Druck- und Biegekräfte die er abgibt, erhalten bleiben. Es gibt Ausnahmefälle, bei denen man vergeblich nach derartigen Zugästen sucht, manchmal bedingt durch das für die Baumart typische Verzweigungsmuster, häufiger, weil der Umgestaltungsprozess des Baumes dazu geführt hat, dass die Starkäste nicht mehr in Grobäste, sondern in schwächere Reïterationen übergehen - dann ist die Umsetzung der 1:3-Relation nicht möglich. In aller Regel jedoch bieten sich geeignete Zugäste. Im Gegensatz zur natürlichen Kronenverjüngung lässt sich durch die mit Schnittmaßnahmen unterstützte Kronenverjüngung ein nennenswertes Totholzaufkommen vermeiden.
Bei der natürlichen Kronenverjüngung kommt es, bezogen auf das ursprüngliche Kronengerüst, nicht selten zu Reduktionen von 50 Prozent und mehr, somit darf man bei der Zielkonzeption einer künstlichen Kronenverjüngung nicht zu ängstlich sein. Wird als Ziel eine Reduzierung von beispielsweise 40 Prozent anvisiert, so setzt man dies in drei oder vier Schnitteinsätzen, mit den erwähnten Pausen um. Es bietet sich also noch Gelegenheit zu revidieren, sofern der Baum Anlass dazu gibt.
Mangelhafte oder fachgerechte Baumpflege in der Baumwertermittlung
Fachgerechte Baumpflege ist werterhaltend oder sogar werterhöhend, mangelhafte Baumpflege wertmindernd. Nachdem beschrieben wurde, dass mangelhafte Baumpflege unabhängig von der Alterswertminderung bei den übrigen Wertminderungen (Ziffer 3.5 des Fachgutachten-Vordrucks A) zu beurteilen ist, bleibt die Frage nach der Beurteilung einer Lebensverlängerung des Baumes beispielsweise durch einen fachgerechten Kronenverjüngungsschnitt.
Auch die Lebensverlängerung fließt nicht in die Berechnung der Alterswertminderung ein. Sie kann berücksichtigt werden, indem man entsprechend niedrige bis gar keine Wertminderungsabzüge bei den übrigen Mängeln macht. Ob ein Zuschlag möglich ist, bedarf einer besonderen Prüfung und ist nur in Ausnahmefällen denkbar. Schließlich gehört auch der Kronenverjüngungsschnitt zur fachgerechten Baumpflege. Es käme noch ein Verzicht auf den Abzug wegen der nach allgemeinen Grundsätzen zu berechnenden Alterswertminderung (Ziffer 3.4 des Fachgutachten-Vordrucks A) in Betracht. Diese fällt bei alten Bäumen, die einen Kronenverjüngungsschnitt erhalten, in der Regel an. Es kommt hier wie in der gesamten Gehölzwertermittlung stets auf die Funktion des Baumes für das Grundstück an. Dementsprechend muss die jeweilige Vorgehensweise begründet werden.
Zur Bemessung der Höhe des erforderlichen Wertminderungsabzuges gibt es Tabellen. Bei der Wertermittlung in Fällen mangelhafter Baumpflege verbietet sich jedoch eine direkte Anwendung der Wertminderungstabellen aus den Aktualisierten
Gehölzwerttabellen: Tabelle 20 (Anhaltspunkte zur Bestimmung einer Wertminderung), Tabelle 21 (Wertminderungssätze bei Verlust von Bestandteilen eines Laubbaumes) und ohnehin Tabelle 21a (Verbesserte Wertminderungssätze bei Schäden im Wurzelbereich). Die Auswirkungen einer mangelhaften Baumpflege sind so komplex und individuell bei den betroffenen Bäumen, dass hier der Sachverständige nur an Hand einer eingehenden fachlichen Begründung den Wertminderungssatz festlegen darf.
Literatur/Veröffentlichungen:
- Shigo, Alex L., 1990. Die Neue Baumbiologie, 1990.Fachbegriffe von A bis Z, 1991, Baum Schnitt, 1994. Moderne Baumpflege, 1995. Baum Anatomie, Thalacker Verlag, Braunschweig und 1998. Grundsätzliches über Bäume, Fach-Info. Bruns GmbH, 26160 Bad Zwischenahn.
- Bernatzky. A., 1994, Baumkunde und Baumpflege. 5.Auflage. Thalacker Verlag, Braunschweig sowie Höster, H. R., 1993. Baumpflege und Baumschutz, Ulmer Verlag, Stuttgart.
- Breloer. Helge//Wäldchen Marko. 2000. Praxis der Baumbeurteilung, Teil 1. Zerstörung und Wertverlust durch Kappung. Landschaftsarchitektur Heft 1/2000; Seite 36ff.
- Koch, Werner, 1997, Aktualisierte Gehölzwerttabellen. Bäume und Sträucher als Grundstucksbestandteile an Straßen, in Parks und Gärten einschließlich Obstgehölze. 3, Aufl, (Auszug) bearb. v. Breloer, Helge. 1995. Was ist mein Baum wert? . Band 1 der Reihe Bäume und Recht, Thalacker Verlag Braunschweig.
- Wäldchen, Marko, Der Kronenverjüngungsschnitt; demnächst in Baum-Zeitung.